Einsamkeit
Weihnachten ist die Zeit der Familie und des gemeinsamen Erlebens einer schönen Zeit. Für Elternteile, die sich kürzlich getrennt haben, kann dies aber sehr schwierig sein. Es könnte sein, dass diese Person sich an alte Zeiten erinnert, in der man noch als Familie gemeinsam mit den Kindern gefeiert hat. Jetzt kann das Fehlen des Partners oder der Partnerin weh tun. Dies kann damit zu tun haben, dass der Traum eines wunderschönen Familienlebens zerbrochen ist oder einfach der Mensch fehlt.
Egal wann die Trennung war, es kann sein, dass gemeinsame Kinder beim anderen Elternteil über die Feiertage sind und du somit vielleicht alleine unter dem „Weihnachtsbaum“ sitzt.
Um sich nicht einsam zu fühlen, solltest du überlegen, was du Weihnachten gerne machen möchtest. Willst du dich ggf. ehrenamtlich engagieren oder möchtest du mit anderen alleinstehenden Menschen etwas gemeinsam unternehmen? Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, der Einsamkeit zu entkommen.
Wie du vielleicht weißt, habe ich mich vor einigen Jahren selbst getrennt und mein Ex-Partner und ich haben uns mit Weihnachten immer abgewechselt. An den Weihnachten, wenn die Kinder bei ihrem Vater waren, habe ich mich ehrenamtlich engagiert. Dies hat mir gutgetan. Ich konnte mich mit anderen Menschen austauschen und hatte gleichzeitig das Gefühl, gebraucht zu werden. Vielleicht ist dies ja auch etwas für dich?
Erstes Weihnachten allein ohne Kinder
Es gibt einen Fall, der viele Elternteile besonders hart trifft: Weihnachten komplett ohne die Kinder. Kein Baum gemeinsam schmücken, kein Geschenke auspacken am Morgen, kein Gerangel um den letzten Platz auf dem Sofa. Nur du und die Stille. Dabei können viele Gefühle hochkommen.
Genau dieser Tag braucht eine bewusste Planung, sonst wird er zur reinen Durchhalte-Übung. Frag dich vorher: Was tut mir an diesem Tag wirklich gut? Für die einen ist das ein Tag mit engen Freundinnen, für andere ein Tag ganz für sich mit einem guten Buch, einem Spaziergang oder einem Filmabend nach eigenen Regeln.
Plane diesen Tag nicht als Lückenfüller, sondern gestalte ihn aktiv. Trag dir schon vorher etwas Schönes ein, worauf du dich freust. Ein Kurzurlaub, ein Spa-Tag, ein Treffen mit Menschen, die dir guttun. So wird aus einem Tag, den du befürchtest, ein Tag, den du dir selbst schenkst.
Schuldgefühle
Viele getrenntlebende Elternteile kämpfen mit Schuldgefühlen in der Weihnachtszeit, denn die Kinder erleben Weihnachten natürlich nicht mehr so, wie sie es vorher gekannt haben. In den meisten Fällen wechseln die Kinder zwischen zwei Haushalten hin und her. Gefeiert wird Weihnachten also mehr als einmal, aber eben nicht mehr zusammen.
Es kann auch passieren, dass ein Elternteil Weihnachten komplett alleine verbringt. Vielleicht ist der andere Elternteil mit den Kindern zu Verwandten gefahren, vielleicht wohnt er inzwischen einfach zu weit weg. Dann wird Weihnachten immer nur mit einem Elternteil gefeiert. Je nachdem, wie alt die Kinder sind, müssen sie sich zwischen den Elternteilen an Weihnachten entscheiden. Dies wiederum führt möglicherweise zu Schuldgefühlen bei einem Elternteil, dass es die Ursprungsfamilie nicht mehr gibt.
In diesem Fall ist es wichtig, die Schuldgefühle zuzulassen, statt sie wegzudrücken. Stell dir gleichzeitig eine ehrliche Frage: War ein gemeinsames Weihnachten als Familie wirklich wichtiger als eure Trennung? Niemand trennt sich ohne guten Grund. Mach dir das bewusst, sobald die Schuldgefühle hochkommen.
Genau diese oben genannten Schritte habe ich immer dann gemacht, wenn ich einen Anflug von Schuldgefühlen hatte. Da für mich, aber auch für die Kinder, die Trennung sich immer richtig angefühlt hat, habe ich selten Schuldgefühle gehabt.
Die Kinderperspektive
Bei all den Gefühlen, die du selbst an Weihnachten durchlebst, lohnt sich ein Blick auf die andere Seite: Wie erleben deine Kinder dieses Fest zwischen zwei Haushalten?
Kinder brauchen an Weihnachten vor allem eins: das Gefühl, dass sie sich nicht entscheiden müssen. Sie wollen beide Elternteile lieben dürfen, ohne dass sich jemand verletzt fühlt. Wenn dein Kind zurückhaltend von Weihnachten beim anderen Elternteil erzählt, ist das oft ein Zeichen von Loyalitätskonflikt, nicht von fehlender Nähe zu dir.
Sprich offen mit deinem Kind über die neue Situation, aber ohne es mit deinen eigenen Gefühlen zu belasten. Ein Satz wie „Ich freue mich, wenn du mir von deinem Weihnachten bei Papa/Mama erzählst“ gibt deinem Kind die Erlaubnis, unbeschwert zu erzählen. Vermeide Fragen, die wie ein Verhör wirken, und zeig stattdessen echtes Interesse an dem, was dein Kind erlebt hat.
Am Ende zählt für Kinder nicht, wie viele Weihnachtsfeiern sie haben, sondern wie entspannt beide Elternteile mit der Situation umgehen.
Möchtest du mehr erfahren, wie du deine Kinder durch eine Trennung begleitest, findest du hier den passenden Blogartikel.
Emotionale Belastung durch Co-Parenting
Co-Parenting ist das Aufziehen von gemeinsamen Kindern, ohne in einer gemeinsamen Liebesbeziehung zu sein. Wenn deine Partnerschaft nicht einvernehmlich zu Ende gegangen ist, kann das Co-Parenting – besonders natürlich Weihnachten – zu Schwierigkeiten und emotionalen Belastungen führen. Situationen, wie zum Beispiel ein gemeinsames Geschenk für ein Kind zu besorgen oder die Weihnachtstage aufzuteilen, können emotional für beide Elternteile schwierig sein. In diesen Fällen muss eine einvernehmliche Lösung im Sinne des Kindes geschaffen werden.
Deshalb kann es hilfreich sein, wenn die Absprachen per Mail getroffen werden oder wenn jeder Elternteil etwas auf den anderen zugeht, um so die emotionale Belastung für sich selbst abzuschwächen.
Ich habe meine Abstimmungen mit dem Vater in der Regel immer per Mail durchgeführt, sodass ich nicht immer sofort antworten musste und überlegen konnte, was für die Kinder das Beste war. So konnte ich meine emotionale Belastung minimieren.
Konkrete Gesprächsvorlagen
Absprachen per Mail sind ein guter erster Schritt, aber die richtigen Worte machen den Unterschied. Hier zwei Formulierungen, die du direkt übernehmen kannst.
Für die Aufteilung der Feiertage: „Ich schlage vor, dass die Kinder dieses Jahr Heiligabend bei mir und den ersten Weihnachtsfeiertag bei dir verbringen. Nächstes Jahr tauschen wir. Passt das für dich?“
Für ein gemeinsames Geschenk: „Ich habe überlegt, dass wir (Name des Kindes) gemeinsam das Fahrrad schenken, das es sich gewünscht hat. Ich würde die Hälfte der Kosten übernehmen. Wie siehst du das?“
Der Trick bei beiden Formulierungen: sachlich, konkret und mit einer klaren Frage am Ende. So bleibt kein Raum für Missverständnisse und die Antwort fällt dem anderen Elternteil leichter.
Isolation
Oftmals hat die Umwelt noch immer die Vorstellung von einem perfekten Weihnachten. Die ganze Familie sitzt glücklich am Tisch und alle Geschenke werden gemeinsam unter dem Baum ausgepackt.
Dieses Bild kann jetzt nicht mehr bedient werden. Aus einem Gefühl heraus, nicht mehr dazuzugehören oder nicht genug zu sein, können sich getrenntlebende Elternteile abgehängt und isoliert fühlen.
Deshalb ist es sinnvoll, besonders in der Vorweihnachtszeit Termine mit und ohne Kinder mit anderen Menschen zu machen. Dies könnten gemeinsame Besuche mit Freunden von Weihnachtsmärkten, Musik- oder Lese-Events oder auch ein Besuch eines Museums sein. Sportliche oder kreative Aktivitäten oder Termine zum gemeinsamen Spielen sind auch immer wieder schön. So fühlst du dich nicht einsam, wenn deine Kinder nicht bei dir sind, und hast gleichzeitig auch eine wunderschöne Advents- und Weihnachtszeit.
Ich habe das Glück gehabt, dass ich mich zu gemeinsamen Weihnachtsmarktbesuchen mit (ehemaligen) Kollegen oder Freunden verabredet habe. Die „kinderfreien“ Zeiten habe ich genutzt, um einen gemütlichen Stadtbummel zu machen oder in Ruhe ins Museum zu gehen.
Mit den Kindern habe ich dann Weihnachtsfeiern von Vereinen oder Kindergarten und Schule besucht, Weihnachtsmärkte kindgerecht besucht oder gebastelt. Außerdem habe ich mich Weihnachten immer an einem kinderfreien Abend mit einer Freundin getroffen, die meine Situation sehr gut verstanden hat und mich deshalb immer eingeladen hat, mit ihr gemeinsam wunderschöne Stunden zu verleben.
Selbstfürsorge als Praxisblock
Gegen das Gefühl von Isolation hilft am besten eins: aktiv für dich selbst sorgen, statt nur zu reagieren. Fünf Rituale, die sich gerade in der Weihnachtszeit bewährt haben.
- Trag dir bewusst Zeit für dich ein, so wie du einen Termin mit einer Freundin eintragen würdest.
- Schreib dir jeden Abend drei Dinge auf, die an diesem Tag gut waren, auch wenn sie klein sind.
- Gönn dir ein Ritual, das nur dir gehört: ein Bad, ein Spaziergang im Winterwald, eine Tasse Tee mit deinem Lieblingsbuch.
- Sag Verabredungen ab, die dir keine Energie geben, auch wenn es Familientermine sind.
- Erlaube dir, auch mal traurig zu sein, ohne dich dafür zu rechtfertigen.
Selbstfürsorge ist an Weihnachten kein Luxus, sondern die Grundlage dafür, dass du für dich und deine Kinder präsent sein kannst.
Nimm den Druck raus
Vermeide es, dich mit dem anderen Elternteil zu vergleichen oder zu versuchen, ihn zu übertrumpfen. Jeder von euch hat seinen eigenen Stil, und das Wichtigste ist, dass die Kinder in beiden Haushalten Freude und Liebe erfahren.
Es muss nicht alles perfekt sein – weder die Deko noch das Essen. Was zählt, sind die Momente der Nähe und des Zusammenseins mit deinen Kindern. Kinder erinnern sich später weniger an das perfekte Essen, sondern an die gemeinsame Zeit, die Freude und das Zusammengehörigkeitsgefühl.
Setze dir und deinen Kindern realistische Erwartungen. Weihnachten muss nicht wie in den Filmen ablaufen, um schön zu sein. Akzeptiere, dass manche Dinge nicht perfekt laufen werden, und das ist vollkommen in Ordnung.
Deshalb ist es so wichtig, dass du für dich den emotionalen Druck rausnimmst, diese Zeit des Jahres perfekt zu gestalten. Genieße lieber jeden Moment mit den Kindern, die du in dieser Zeit hast und gestalte dein und euer Weihnachten nach euren Bedürfnissen und Wünschen.
Neue eigenen Traditionen aktiv gestalten
Nach der Trennung fällt vieles weg, was früher selbstverständlich war. Genau das ist auch eine Chance: Du darfst Weihnachten jetzt so gestalten, wie es zu dir und deiner neuen Lebenssituation passt.
Überleg dir, was du dir schon lange gewünscht hast, aber in der alten Beziehung nie umgesetzt hast. Vielleicht ein Weihnachtsfrühstück mit Freundinnen, ein neues Ritual mit den Kindern wie ein gemeinsamer Plätzchen-Wettbewerb, oder ein Silvesterspaziergang statt Feuerwerk.
Neue Traditionen müssen nicht sofort perfekt sein. Probier einfach etwas aus und schau, was sich für dich und deine Kinder gut anfühlt. Mit der Zeit wird daraus etwas, worauf ihr euch jedes Jahr freut, dein ganz eigenes Weihnachten.
Fragen & Antworten
Wie sage ich meinen Kindern, dass Weihnachten dieses Jahr anders ist?
Was mache ich, wenn der andere Elternteil sich nicht an Absprachen hält?
Halte Absprachen möglichst schriftlich fest, zum Beispiel per Mail. Bleib sachlich und weise nur einmal freundlich auf die getroffene Vereinbarung hin. Bei wiederholten Problemen kann eine Mediation, also ein vermitteltes Gespräch mit einer neutralen Person, oder eine rechtliche Klärung des Umgangsrechts sinnvoll sein.
Wie gehe ich mit Fragen von Verwandten um, warum die Kinder nicht da sind?
Ist es normal, dass ich mich trotz guter Absprachen trotzdem einsam fühle?



0 Kommentare