Last Updated on 17. September 2022 by Claudia

Oftmals werden die Begriffe „einsam“ und „allein“ als Synonym eingesetzt. Dabei haben sie eine unterschiedliche Bedeutung. Hier erfährst du den Unterschied.

Einsamkeit ist ein Gefühlszustand, der unangenehm und negativ besetzt ist und in dem niemand gerne ist. Dieser Zustand ist nicht selbst gewählt worden und ist ein subjektives Erleben. Wenn du einsam bist, fühlst du dich von anderen Personen isoliert und hast dem entsprechend kein Zugehörigkeitsgefühl zu Anderen. Dies ist für uns als soziale Wesen oftmals schwierig auszuhalten.

Begriffe was Einsamkeit ausmacht

Was bedeutet Alleine sein?

Hier versteht man, dass du im Moment keine Person/en um dich herumhast. Du bist aktuell die einzige Person zum Beispiel in einem Raum. Dieser Zustand ist in der Regel selbst gewählt. Dieses „Für sich sein“ kann auch gut erlernt werden.  

Begriffe für Alleinsein

Wenn du alleine bist, bedeutet dies nicht automatisch, dass du auch einsam bist. Es gibt auch einige Menschen, die sich in einer Partnerschaft einsam fühlen. Einfach deshalb, weil diese nicht mehr glücklich ist und ihre Bedürfnisse nicht erfüllt werden.
Vielleicht kennst du das, wenn du zusammen mit deinem Partner im Bett liegst und du dich nicht mehr wohl fühlst? Vielleicht bist du am Überlegen, wie es weitergehen soll. Genauso erging es mir. In diesen Momenten habe ich mich sehr einsam gefühlt, weil ich feststellen musste, dass die gemeinsame Zeit vorbei war.

 

Welche neueren Erkenntnisse gibt es zu diesem Thema?

In dem Buch „Die neue Einsamkeit“ von Diana Kinnert geht die Autorin besonders darauf ein, wie wichtig die Auseinandersetzung mit dem eigenen ICH ist. Sie ist der Meinung, dass man sich erst einmal selbst ernst nehmen muss, um der Einsamkeit zu entkommen. Deshalb schlägt sie vor, dass sich jeder erst einmal mit sich selbst beschäftigt. Diana Kinnert ist der Meinung, dass Alleinsein auch gleichzeitig Kraft tanken bedeutet. Es ist wichtig, dass man sich selbst spürt, sich von anderen abgrenzen kann und auch gelernt hat, Nein zu sagen.

Diana Kinnert schaute sich alle Altersgruppen zum Thema Einsamkeit an. Erstaunt war sie, dass die Einsamkeit nicht nur ältere Menschen betrifft. So hat sie nach einer neuen Studie herausgefunden, dass besonders jüngere Menschen einsam sind. Trotz vieler sozialen Kontakte zum Beispiel im Fitnessstudio, im Studentenwohnheim oder auf den sozialen Medien fühlen sich viele isoliert. Hier wird deutlich, dass das Gefühl „einsam zu sein“ etwas mit der Qualität und nicht mit der Quantität der Beziehungen zu tun hat. Wir als Menschen brauchen Orientierung, Verlässlichkeit, Geborgenheit, Verantwortung und Vertrauen. Solange wir dies nicht haben und wir weiter in einer Art Unverbundenheit leben, wird die Einsamkeit stärker zunehmen.

 

Welche Bedeutung hat Einsamkeit auf die Gesundheit?

In verschiedenen Studien wurde bewiesen, dass chronisch einsame Menschen durchschnittlich eher sterben und die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass sie seelisch und körperlich krank werden.

Aber wir Menschen reden nicht gerne über unsere Einsamkeit. Es hat den Anschein, als ob es eine ansteckende Krankheit ist. Wie auch bei anderen Themen ist es auch hier wichtig, dass wir das Tabu brechen und offen über Einsamkeit sprechen.

Tatsächlich wurde festgestellt, dass sehr einsame Menschen unter Angststörungen und Selbstmordgedanken leiden. Viele sind auch depressiv. Aber dies bedeutet nicht, dass dies verallgemeinert werden kann, denn noch ist nicht bekannt, ob Depression die Ursache oder eine Wirkung von Einsamkeit ist.

Es gibt die Vermutung, dass bei Jüngeren durch die Einsamkeit eine Depression entstehen kann, während es bei den älteren Patienten in beide Richtungen gehen kann.

Andere Studien sehen die Folgen von Einsamkeit gleichbedeutend mit denen von Rauchen oder von Übergewicht, z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs.

 

Wer leidet unter Einsamkeit?

Fakt ist, dass alle Altersklassen unter Einsamkeit leiden können. Es ist also nicht eine Frage des Alters!

Es gibt Hinweise, dass, wenn wir uns mit anderen vergleichen und einem unerreichbaren Idealbild hinterher hetzen, dies ein Grund für Einsamkeit sein könnte. In der heutigen Zeit von Photoshop und weiteren Möglichkeiten von Schummeleien, gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass wir bei den Vergleichen schlecht abschneiden. Dies bedeutet, dass wir uns als gescheitert ansehen und uns somit von anderen Menschen distanzieren und vereinsamen können.

Dies muss aber nicht sein. Denn viele Menschen sind nicht einsam, sondern ziehen sich nur zurück, um sich neu zu sortieren, andere Erkenntnisse zu sammeln, um sich danach wieder für die Gesellschaft zu öffnen.

Anders ist es bei Personen, die wegen Armut, Krankheit oder Alter in die Einsamkeit rutschen. Diese benötigen dringend Unterstützung, um hier wieder rauszukommen.

 

jeder kann unter Einsamkeit leiden

Da das Thema Einsamkeit an Bedeutung gewonnen hat, wurde Anfang 2020 in Großbritannien das erste Ministeramt für Einsamkeit errichtet. Japan hat es 1 Jahr später eingerichtet.

Ich bin allerdings nicht der Meinung, dass dieses Thema nur politisch gelöst werden kann, sondern eine gesellschaftliche Thematik ist. Folglich sind wir alle in der Verpflichtung, dagegen zu steuern und bereits bei den möglichen Gründen für Einsamkeit anfangen müssen.

Ein möglicher Weg sind sogenannte Mehrgenerationenhäuser. Hier wird – wie früher im Dorf – darauf geachtet, dass sich jeder so einbringt, wie es seine Möglichkeiten zu lassen.
In einem dieser Häuser in Frankfurt habe ich bereits bei verschiedenen Gelegenheiten mitgeholfen und so einen Einblick in das tägliche Leben erhalten. Besonders schön, fand ich, dass hier jeder gesehen wird. An einem Fest fehlte eine ältere Frau. Diese wurde dann motiviert, doch dazu zukommen und zum gemeinsamen Essen erschien sie auch. Später lachte sie über die Späße der Darbietungen. Was wäre gewesen, wenn sie alleine in ihrer kleinen Wohnung gehockt hätte?

 

Was ist deine Meinung dazu? Welche anderen Wege aus der Einsamkeit könntest du dir vorstellen?
Ich freue mich auf deinen Kommentar.