Last Updated on 17. September 2022 by Claudia

Wir Menschen können einfach nicht „nicht denken“. Deshalb haben wir ca. 60.000 bis 82.000 Gedanken pro Tag! Unter diesen Gedanken sind auch welche, die uns limitieren, blockieren und damit verhindern, dass wir unser vollständiges Potenzial ausschöpfen. Diese negativen Glaubenssätze sind wie ein Fluch und wir können sie loswerden.

 

Glaubenssätze sind Einstellungen, Überzeugungen, Meinungen oder Sprüche, die uns teilweise von unserem Umfeld weitergegeben wurden. Sie entstehen auch durch Verarbeitung und Bewertung von unseren Erfahrungen und Erlebnissen und bestimmen damit noch heute unser Leben.

Bei unserer Geburt haben wir noch keine Glaubenssätze, sondern wir „sammeln“ sie im Laufe unseres Lebens. Viele Denkmuster übernehmen wir gerade in unserer Kindheit und verstärken sie oftmals während unseres weiteren Lebens. Die ersten Glaubenssätze, positiv wie negativ, entstehen in der frühesten Kindheit von Eltern, Großeltern und Geschwister. Ein Glaubenssatz könnte beispielsweise sein: „Ich muss perfekt sein“ oder „Ich muss alles alleine schaffen“.

Es gibt negative Glaubenssätze, aber auch positive. Die positiven Glaubenssätze werden meistens Affirmationen genannt, z.B. „Ich bin gut so, wie ich bin“. Hier findest du eine schnelle Anleitung zum Thema Affirmationen.

 

Was ist der Unterschied zwischen negativem Glaubenssatz und einer emotionalen Blockade?

Manchmal werden negative Glaubenssätze und emotionale Blockaden gleichgesetzt. Dies ist jedoch falsch.

Eine innere Blockade kann dann entstehen, wenn wir eine emotionale Erfahrung nicht ganz verarbeitet haben. Bekommen wir dann einen sogenannten Flashback und sind dann wieder gedanklich in dieser Situation, kann es sein, dass wir anders handeln und fühlen, als wir es unter normalen Bedingungen machen würden. Wir sind dann wie „ferngesteuert“. Auslöser dieser Blockade kann alles Mögliche sein, manchmal reicht ein Blick eines Außenstehenden aus.

Beispiel: Wenn du früher in einem schweren Autounfall verwickelt warst, kann dich diese traumatische Situation von damals abhalten, selbst Auto zu fahren oder auch nur in einem Auto mitzufahren.

Eine Auflösung einer emotionalen Blockade ist in der Regel nicht so einfach wie bei einem Glaubenssatz. Je nach Stärke der Blockade empfehle ich hier eine professionelle Unterstützung.

 

Frau sitzt nachdenklich auf einem Hocker

Warum ist es wichtig, dass ich mich mit dem Thema „Glaubenssätze“ überhaupt beschäftige?

Negative Glaubenssätze verhindern, dass wir unseren Selbstwert kennen und wir uns selbst lieben. Sie stoppen uns beim Wachsen unserer Persönlichkeit und sind sehr oft die Ursache für persönliche Konflikte. Glaubenssätze verlieren nicht einfach so ihre Glaubenskraft, sondern wir behalten sie unser Leben lang.

Anhand dieser nicht bewiesenen Sätze haben wir z.B. eine Meinung von uns selbst, die objektiv betrachtet aber gar nicht stimmt. Genau diesen Weg im Gehirn müssen wir nun verändern, um uns nicht mehr ständig selbst „klein“ zu halten.  

Wir selbst haben dadurch eine selektive Wahrnehmung, d.h. wir suchen förmlich nach der Bestätigung, dass unsere Meinung richtig ist. Hier ein Beispiel: vor einigen Jahren gab es unter den Kindern ein Spiel, wer zuerst ein gelbes Auto sieht und dies laut sagt, war besser. In den ersten Tagen konnte ich mir nicht vorstellen, dass es so viele gelbe Autos gibt, aber nach ein paar Tagen habe ich überall gelbe Autos gesehen. Dies nennt sich selektive Wahrnehmung. Ich sehe also besonders das, was ich sehen möchte.

Genau dieses passiert auch mit unseren Glaubenssätzen. Wenn wir einen bestimmten Glaubenssatz haben, dann finden wir auch immer und überall die Bestätigung, dass wir so sind, wie wir glauben zu sein. Damit halten wir uns selbst klein und bleiben weit hinter unseren Möglichkeiten zurück.

Deswegen ist es für uns selbst so wichtig, dass wir uns von unseren negativen Glaubenssätzen lösen und diese ins Positive verändern.

 

Wie sehen Glaubenssätze überhaupt aus?

Hier findest du einige Beispiele von kurzen negativen Glaubenssätze:

  • Ich bin wertlos.
  • Ich schaffe das nicht.
  • Ich bin allein.
  • Ich bin hässlich.
  • Ich habe nie Glück.
  • Ich kann nichts.
  • Ich bin nicht gut genug.
  • Ich darf keine Fehler machen.

Genauso verstecken sich Glaubenssätze auch in Sprichwörtern, die wir immer wieder von anderen hören:

  • Geld macht nicht glücklich.
  • Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.
  • Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
  • Geld verdirbt den Charakter.
  • Respekt muss man sich verdienen.
  • Du sollst den Tag nicht vor dem Abend loben.
  • Liebe macht blind.
  • Ohne Fleiß kein Preis.
  • Schuster, bleib bei deinen Leisten.
  • Hochmut kommt vor dem Fall.

Fast alle dieser Sprüche habe ich besonders von meiner Großmutter gehört und dann auch teilweise verinnerlicht.

 

Frau sitzt und hält ihren Kopf in beide Hände

Von wem übernehmen wir unsere Glaubenssätze?

Kurz gesagt, wir können von jedem Menschen unsere Glaubenssätze erhalten. Häufig übernehmen wir Meinungen von unseren Eltern, Großeltern, Geschwistern und anderen Verwandten. Aber auch Freunde, Menschen aus dem Kindergarten oder Schule oder Anderen, die uns nahestehen oder die wir bewundern, können uns negative Glaubenssätze einimpfen. Selbstverständlich haben auch Medien und eigene Erfahrungen einen Einfluss.

Aufgrund meiner Erfahrung aus der Arbeit mit Frauen aus toxischen Beziehungen mit Partnern, die eine narzisstische Persönlichkeitsstörung haben, sind besonders diese Beziehungen ein Brutherd der Entstehung von negativen Glaubenssätzen. Diese sind oftmals sehr tief verankert.

Glaubenssätze können in allen Bereichen des Lebens auftauchen. Je nach Erziehung liegen die meisten Glaubenssätze im Bereich Selbstwert, Money Mindset oder eigene Stärken.

 

Welcher Glaubenssatz hat mir besonders zu schaffen gemacht?

Negative Glaubenssätze wurden mir besonders von meiner Grundschullehrerin und ehemaligen Klassenkameraden „vermacht“. Hier ein Beispiel aus meinem Leben:
meine Grundschullehrerin fand meine Aufsätze schlecht und hat sie vor der Klasse niedergemacht. Ihre Meinung über mich war: ich kann nicht schreiben. Dies habe ich sehr, sehr lange gedacht. Zum Beispiel habe ich immer sehr ungern wichtige Briefe oder Mails in meiner Zeit in der Bank geschrieben, da ich ja „nicht schreiben“ konnte. Um dies zu ändern habe ich vor einigen Jahren einen Kurs „Richtiges Schreiben“ belegt. Dort wurde mir das Gegenteil bestätigt. Abweichend von der Schule wurde mir sehr glaubhaft vermittelt, dass meine Texte wichtig und wertvoll sind.

Schauen wir uns mein Beispiel aus der Vogelperspektive an:
Meine Erfahrung war „Ich kann nicht schreiben.“. Dies habe ich als negativen Glaubenssatz im Unterbewusstsein verinnerlicht und mein Verhalten entsprechend geändert – ungern Briefe und Mails geschrieben und habe dies Leute überlassen, die es nicht besser nur anders geschrieben haben als ich es ggf. geschrieben hätte. Dadurch fühlte ich mich wieder schlecht und fand meinen Glaubenssatz bestätigt.
Erst durch das Auflösen von meinem Glaubenssatz habe ich Freude am Schreiben gewonnen und sogar im letzten Jahr diesen Blog gegründet.

Manchmal falle ich noch in alte Denkmuster zurück. Aber da ich diesen Glaubenssatz aufgedeckt habe und bereits weiß, dass er falsch ist, komme ich schnell wieder raus aus dieser falschen Denke!

Es ist also wichtig, dass du deine Glaubenssätze aufdeckst und auflöst, um dein Verhalten für die Zukunft zu verändern.

 

Frau schreibt in einem Block daneben steht eine Kaffeetasse und Blumen

Wie kann ich meine Glaubenssätze finden und auflösen?

Ich habe eine gute Nachricht für dich: Du kannst alle negativen Glaubenssätze auflösen, allerdings sind manche etwas schwieriger zu beseitigen und dauern ggf. etwas länger.

Es gibt – wie immer – verschiedene Möglichkeiten negative Glaubenssätze aufzulösen. Ich finde folgende Methode am besten und am wirkungsvollsten.

 

Schritt 1: Finde deine Glaubenssätze!

Zuerst musst du deine teilweise verdeckten Glaubenssätze erst einmal finden.

Es gibt 3 Wege, um deine Glaubenssätze zu finden:

  1. Schreibe deine bewussten Glaubenssätze auf, z.B. negative Sprüche oder Redensarten, also all diese Sätze, von denen du weißt, dass sie dich behindern.
  2. Schreib nun deine Bereiche auf, in denen es nicht ganz rund läuft, z.B. Beziehung, Geld, Gesundheit. Das deutet darauf hin, dass du hier verborgene negative Glaubenssätze hast. Mach dich hier auf Suche und schau mal hinter die „Kulissen“ deiner problembehafteten Lebensbereiche.
  3. Wenn du dich schlecht fühlst, schau dir den Gedanken an, den du gerade denkst. Dein Gefühl zeigt dir hier bereits, dass hier noch ein Glaubenssatz verborgen ist. Frage dich dann: „Was denke oder glaube ich jetzt gerade?“

Schreibe dir deine gefundenen Glaubenssätze auf. Deine Liste kannst du nach und nach vervollständigen.

Danach lese dir die Liste voller negativer Glaubenssätze durch und priorisiere, welche negativen Glaubenssätze dich sehr stark, stark oder weniger stark behindern. Sinnvollerweise fängst du mit der Auflösung von den Glaubenssätzen an, die dich sehr stark behindern. Wähle davon einen aus, mit dem du den Prozess einmal durchgehst.

 

Schritt 2: Fühle die Wirksamkeit deiner Glaubenssätze!

Jetzt fühle einmal, wie es dir geht, wenn du den ausgewählten Glaubenssatz aussprichst. Was macht es mit dir, wenn du an diesen Satz denkst? Spürst du eine Änderung in deinem Körper? Welche Gedanken gehen in deinem Kopf umher? Wie geht es dir mit diesem Glaubenssatz?

 

Schritt 3: Überlege dir die Auswirkungen deiner Glaubenssätze!

Was meinst du, welche Auswirkung hat dieser Gedanke langfristig auf dein Leben, wenn du weiterhin an diesen Glaubenssatz festhältst? Wie wird sich dein weiteres Leben unter diesen Umständen entwickeln?

 

Schritt 4: Unterziehe deine Glaubenssätze einer Realitätsprüfung!

Bist du dir zu 100% sicher, dass dieser Glaubenssatz wirklich und wahrhaftig immer wahr ist? Kennst du Menschen, bei denen dieser Satz nicht wahr ist? Was wäre, wenn er nicht zu 100% wahr wäre? Was würde sich ggf. ändern, wenn du feststellst, dass eine Möglichkeit besteht, dass er unwahr ist. Wie würdest du dich dann fühlen? Welche Perspektiven könntest du dann umsetzen?   

 

Schritt 5: Formuliere deinen Glaubenssatz neu!

Wie würde die Umkehrung deines negativen Glaubenssatzes lauten? Formuliere nun deinen limitierenden Glaubenssatz in einen positiven um.

Beispiel:

Ich bin wertlos.

 

Folgende Umkehrungen könntest du formulieren:

Ich bin wertvoll.

Ich bin noch nicht wertvoll.

Ich bin so viel wert, wie jeder andere Mensch auch.

 

Wie könnte deine Formulierung lauten? Schreibe dir gerne mehrere Möglichkeiten auf und markiere dir den Satz, mit dem du dich am wohlsten fühlst.

Jetzt überlege noch, warum könnte diese neue Formulierung wahr und richtig sein? Schreibe dir gerne die Argumente auf, damit du dir diese immer wieder durchlesen kannst, wenn dich Zweifel quälen. Wenn dir kein Argument einfallen sollte, frage gerne deine Freunde oder Verwandte. Sie können dich hier sicher unterstützen.

 

Schritt 6: Fühle dich in den neu formulierten Glaubenssatz hinein!

Jetzt nachdem du deinen negativen Glaubenssatz zu einem positiven Satz umformuliert hast, fühle in dich hinein, wie es dir jetzt damit geht. Was sagt dein Körper zu dieser Veränderung? Welches Gefühl überkommt dich, wenn du diesen neuen Gedanken laut aussprichst?

 

Schritt 7: Entdecke deine neuen Möglichkeiten und festige deinen neuen Glaubenssatz!

Wie ändert sich durch diese Änderung dein Leben? Welche Möglichkeiten stehen dir jetzt offen? Was möchtest du jetzt in deinem neuen Leben ändern? Welche Dinge wirst du jetzt konkret ändern?

 Um diesen neuen positiven Glaubenssatz zu festigen, kannst du Zettel schreiben und diese für dich sichtbar aufhängen. Gerne schreibe dir diese Affirmation nun auf dein Vision Board. Besonders beim Einschlafen und beim Aufwachen kannst du dir zur Verstärkung gerne deine positiven Sätze per Sprachnotiz abspielen. Eine andere Methode ist es, diesen positiven Glaubenssatz mit einer Stelle auf deinem Körper zu verbinden, z.B. mit einer Stelle an der Hand. Gehst du jetzt aufrechter durch die Welt? Dann nutze jede Möglichkeit, um dich aufzurichten.

Um deine neuen Gedankenpfade zu einem Weg auszubauen, trainiere dich darauf, zu merken, wenn dein alter negativer Glaubenssatz in deinen Gedanken auftaucht. In dem Moment, in dir das auffällt, steuere deine Gedanken auf den geänderten Satz. Sollte dir das am Anfang schwerfallen, gehe einfach nochmal die einzelnen Schritte durch. Nach und nach kannst du immer schneller deine Gedanken steuern und umlenken. So kannst du den Trampelpfad im Gehirn in einen Weg umfunktionieren.

Wichtig ist es, dass du dir immer wieder vergegenwärtigst, dass Gedanken nur Gedanken sind und keine Fakten. Deshalb müssen sie nicht stimmen.

 

Frau steht mit ausgebreiteten Armen auf einem Hügel im Sonnenlicht

Mein Fazit

Unsere Glaubenssätze limitieren uns ein Leben lang, wenn wir nicht etwas dagegen unternehmen. Oftmals liegen die Ursachen wie ein Fluch in unserer Kindheit. Wir können unsere negativen Glaubenssätze umwandeln in positive Sätze und damit unser Leben zum Positiven ändern. Die Auflösung lohnt sich immer, auch wenn diese Weiterentwicklung deiner Persönlichkeit im ersten Moment etwas anstrengend ist. Der Lohn ist ein neues, positiveres Leben nach unseren Träumen und Bedürfnissen.

Dafür lohnt sich jede Anstrengung, oder? Welche Glaubenssätze waren für dich besonders schwierig aufzulösen?