Resilienz lernen: Das Matisse-Zitat, das alles verändert

von | Juli 5, 2026 | Blog, Zitate | 0 Kommentare

Last Updated on 5. Juli 2026 by Claudia

„Es gibt überall Blumen für den, der sie sehen will.“ Dieses Zitat von Henri Matisse hat mich sofort berührt, weil darin so viel Wahrheit steckt. Eine Wahrheit, die wir im Alltag oft vergessen. Denn seien wir ehrlich: Die meisten von uns sehen die Dornen meist schneller als die Blumen.

Wir bemerken die Dinge, die nicht funktionieren, z.B. die Aufgaben, die noch erledigt werden müssen, die Probleme, die uns beschäftigen und die Sorgen, die nachts durch unseren Kopf kreisen. Das Schöne, Gute und Gelingende übersehen wir dagegen oft. Nicht, weil es nicht da wäre, sondern weil unser Blick gerade woanders hängt.

Dabei lohnt es sich, diesem Gedanken von Henri Matisse einmal genauer nachzugehen.

 

Henri Matisse war einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Bekannt wurde er vor allem durch seine farbenfrohen Bilder und seine besondere Fähigkeit, Schönheit und Lebensfreude einzufangen.

Doch sein Leben verlief nicht immer leicht.

Im Alter von 71 Jahren erkrankte Matisse schwer an Krebs. Nach einer großen Operation war er körperlich sehr eingeschränkt. Viele Tätigkeiten fielen ihm schwer, manche waren gar nicht mehr möglich. Für viele Menschen wäre das ein Grund gewesen, sich zurückzuziehen oder aufzugeben.

Matisse entschied sich für einen anderen Weg.

Da ihm das Malen zunehmend schwerfiel, entwickelte er eine neue Technik. Mit Schere und farbigem Papier begann er, Formen auszuschneiden und daraus Kunstwerke zu gestalten. Heute gehören diese sogenannten Scherenschnitte zu seinen bekanntesten Werken. Viele davon zeigen Blätter, Pflanzen und Blumen.

Mich berührt diese Geschichte besonders, denn Matisse schuf nicht deshalb Schönheit, weil gerade alles leicht in seinem Leben war. Er schuf sie, obwohl vieles schwieriger geworden war.

Darin steckt die tiefere Bedeutung seines berühmten Zitats. Blumen zu sehen, bedeutet nicht, dass es keine Herausforderungen gibt. Es bedeutet, den Blick nicht ausschließlich auf die Herausforderungen zu richten.

 

Welche Geschichte erzählst du dir?

Unsere Sicht auf die Welt beeinflusst mehr, als wir oft glauben. Dazu gibt es eine kleine Geschichte. Wie stark diese Haltung wirkt, zeigt auch der Gedanke der Eigenverantwortung in der Resilienz.

Ein Reisender kommt an einer Baustelle vorbei und trifft zwei Steinmetze. Er fragt den ersten, was er tue. „Ich haue Steine“, sagt der Mann. Den zweiten fragt er dasselbe. Der lächelt und sagt: „Ich baue eine Kathedrale.“ Beide verrichten exakt dieselbe Arbeit. Der Unterschied liegt allein in ihrer Perspektive. Der eine sieht die Mühe, der andere sieht den Sinn.

Diese Geschichte erinnert mich daran, wie oft wir uns selbst Geschichten über unser Leben erzählen.

Manchmal denken wir:

  • Ich muss das alles schaffen.
  • Warum passiert mir das?
  • Es wird nicht besser.

Und manchmal gelingt es uns, die Situation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten:

  • Was kann ich daraus lernen?
  • Woran kann ich wachsen?
  • Welcher neue Weg zeigt sich gerade?

Die Realität verändert sich dadurch nicht sofort, aber unsere Haltung verändert sich, und das kann einen erstaunlich großen Unterschied machen.

 

Warum wir oft zuerst die Dornen sehen

Falls du jetzt denkst: „Das klingt schön, aber mir fällt das nicht immer leicht“, dann bist du damit nicht allein.

Unser Gehirn ist nämlich nicht darauf programmiert, ständig nach Blumen Ausschau zu halten. Es sucht vor allem nach Problemen, Risiken und Gefahren.

Aus Sicht unserer Vorfahren war das durchaus sinnvoll. Wer eine Gefahr übersah, hatte ein Problem. Wer dagegen eine schöne Blume übersah, konnte trotzdem gut überleben.

Deshalb bleiben negative Erfahrungen oft länger hängen als positive.

Eine kritische Bemerkung beschäftigt uns manchmal tagelang, während wir ein Kompliment schon nach wenigen Minuten vergessen haben. Das bedeutet aber nicht, dass wir diesem Mechanismus ausgeliefert sind. Wir können lernen, unseren Blick bewusst zu erweitern. Nicht, indem wir Probleme ignorieren, sondern indem wir uns erlauben, auch das Gute wahrzunehmen. Wie eng das mit Akzeptanz in der Resilienz zusammenhängt, habe ich in einem eigenen Artikel beschrieben.

 

Resilienz bedeutet nicht, immer stark zu sein

Wenn wir über Resilienz sprechen, denken viele Menschen an Stärke, Durchhaltevermögen oder daran, niemals aufzugeben. Für mich bedeutet Resilienz etwas anderes. Was genau dahintersteckt, erkläre ich ausführlich im Artikel zu den 7 Säulen der Resilienz.

Resilienz bedeutet nicht, keine schwierigen Gefühle zu haben, immer positiv zu denken oder ständig funktionieren zu müssen.

Resilienz bedeutet vielmehr, auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig zu bleiben. Sich immer wieder aufzurichten, weiterzugehen und die Hoffnung nicht vollständig zu verlieren.

Ein besonderes Beispiel dafür ist der österreichische Psychiater Viktor Frankl. Er überlebte mehrere Konzentrationslager und beschäftigte sich intensiv mit der Frage, warum manche Menschen selbst unter schlimmsten Bedingungen ihre innere Kraft bewahren konnten. Ein Gedanke von ihm ist bis heute weltbekannt:

„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Freiheit und die Möglichkeit zur Wahl.“

Ich finde diesen Gedanken unglaublich kraftvoll, denn wir können nicht immer bestimmen, was uns passiert. Aber wir können beeinflussen, wie wir damit umgehen. Genau darin liegt oft unsere größte Kraft.

 

Die Blumen des Alltags

Manchmal denken wir bei Blumen im übertragenen Sinn an große Glücksmomente.

Doch häufig sind es die kleinen Dinge, die unser Leben heller machen:

  • Ein freundliches Gespräch.
  • Ein Kaffee in der Morgensonne.
  • Ein Spaziergang in der Natur.
  • Ein herzliches Lachen.
  • Eine Aufgabe, die endlich erledigt ist.
  • Ein Mensch, der fragt, wie es uns wirklich geht.

Diese kleinen Momente sind oft viel bedeutsamer, als wir ihnen zutrauen.

Ich liebe Sonnenblumen, und genau diese Momente erinnern mich an sie. Sonnenblumen richten sich während ihres Wachstums nach dem Licht aus. Auch wenn Wolken da sind oder es dunkel wird, kehren sie sich immer wieder zur Lichtquelle, die ihnen Energie gibt.

Davon können wir uns etwas abschauen. Nicht, indem wir Schwierigkeiten ausblenden, sondern indem wir uns immer wieder fragen, worauf wir unseren Blick richten wollen und was uns Kraft gibt. Genau hier setzt auch mein 3-Rahmen-Modell an, mit dem du deine Energie gezielt auf die richtigen Dinge lenkst.

  • Worauf möchte ich meinen Blick richten?
  • Was gibt mir Kraft?
  • Was tut mir gut?
  • Wo finde ich heute meine Blumen?

 

Eine kleine Übung für mehr Blumen im Alltag

Falls du deinen Blick für die schönen Momente im Leben schärfen möchtest, habe ich eine Übung für dich. Nimm dir heute Abend zwei Minuten Zeit und schreibe drei gute Dinge auf, die du heute erlebt hast. Das müssen keine großen Ereignisse sein.

Zum Beispiel:

  • ein nettes Gespräch
  • ein schöner Moment draußen
  • ein gutes Essen
  • eine Aufgabe, die du erledigt hast
  • ein Lächeln
  • ein Augenblick der Ruhe

Je öfter du diese kleinen Blumen wahrnimmst, desto leichter werden sie für dich sichtbar.

 

Die Dornen und die Blumen

Was ich an dem Zitat von Henri Matisse so liebe: Es fordert uns nicht dazu auf, die Dornen zu ignorieren. Es behauptet auch nicht, dass das Leben immer leicht ist. Es erinnert uns lediglich daran, dass beides gleichzeitig existieren darf:

  • Die Herausforderungen und die Möglichkeiten.
  • Die Sorgen und die Hoffnung.
  • Die Dornen und die Blumen.

Vielleicht sind die Blumen manchmal nicht verschwunden, vielleicht haben wir nur aufgehört, nach ihnen zu suchen, und vielleicht ist heute ein guter Tag, wieder damit anzufangen.

 

Du willst deinen Blick noch öfter auf die Blumen richten? In einem kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, wie ich dich auf diesem Weg unterstützen kann.

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Portraitfoto Claudia Kielmann, Coach "Stark nach Trennung"

Ich bin Claudia, und als Trennungscoach unterstütze ich Frauen in Trennungssituationen. In meinen Blogbeiträgen findest du mein Wissen und meine Erfahrungen rund um die Themen "Trennung" und "Persönlichkeits-entwicklung".


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