Die 7 Formen der häuslichen Gewalt

von | Sep 29, 2023 | Blog, Trennung | 0 Kommentare

Last Updated on 21. April 2024 by Claudia

Was verstehst du unter häuslicher Gewalt? In den meisten Fällen denken wir sofort an körperliche Gewalt. Dies ist aber zu kurz gedacht. Ich zeige dir hier 7 verschiedene Formen der häuslichen Gewalt auf. Am Ende habe ich dir mehrere Notfallnummern zusammengestellt. Dort kannst du anrufen und bekommst schnelle Hilfe.

 

Häusliche Gewalt wird definiert als Gewalt zwischen Menschen in der Familie oder Paarbeziehung. Ihr Ziel ist Kontrolle und Ausübung von Macht. Studien zeigen, dass häusliche Gewalt mit dem Geschlecht zu tun hat: sie wird häufiger von Männern ausgeübt und meistens sind Frauen die Opfer. Häusliche Gewalt tritt unabhängig von Ethnie, Alter und sozialem Status auf. Sie wird wiederholt ausgeübt, ist lebensbedrohlich und kann das Leben von Opfern und Kindern langfristig zerstören. Zusammengefasst ist sie nach Professor Dr. Ulrike Maschewsky-Schneider, für die die Frauengesundheit ein großes Thema ist, ein „komplexes Misshandlungssystem“.

 

Die verschiedenen Formen der häuslichen Gewalt

In meinem Blogartikel möchte ich dir 7 Formen der häuslichen Gewalt aufzeigen. Für mich sind alle 7 verschiedenen Arten von Gewalt so wichtig, dass ich sie alle mit Beispielen versehe und mit dir teilen möchte. Jede Form ist immer für die Opfer schwierig auszuhalten und führen zu psychischen und körperlichen Problemen, egal, um welche häusliche Gewalt es sich handelt.

 

Körperliche Gewalt

Diese Form der häuslichen Gewalt ist die, an die man zuerst denkt. Deshalb schauen wir uns diese auch zuerst an.

Körperliche Gewalt ist alles das, was sich gegen die körperliche Unversehrtheit eines anderen Menschen richtet, z.B. schlagen, treten, schubsen, stoßen, boxen, würgen, Ohrfeigen geben, mit Gegenständen werfen, das Überschütten mit Flüssigkeiten, an den Haaren ziehen, fest Zupacken, mit Zigaretten verbrennen, mit dem Kopf gegen die Wand schlagen, Angriffe mit einem Gegenstand (Messer, Gürtel etc.) durchführen bis hin zu Mordversuch oder Mord.

Zu dieser Form der häuslichen Gewalt hast du bestimmt auch gleich Menschen im Kopf, die dies durchlebt haben. Ein Beispiel ist Svenja Beck, die aufgrund ihrer Erfahrungen den Verein T.o.B.e -Toxische Beziehungen überwinden e.V. geründet hat. Ich bin auch Mitglied in diesem Verein. Wenn dich die Geschichte zu Svenja Beck interessiert, schau gerne hier in der Mediathek des hr vorbei. In dieser Fernsehsendung erzählt sie, wie sie 2 Femizidversuche überlebt hat.

 

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Emotionale Gewalt

Der Begriff emotionale Gewalt und seelische Gewalt werden oftmals gleichgesetzt, da sie sich auf ähnliche Arten von Gewalt beziehen. Dennoch gibt es kleine Unterschiede. Deshalb werde ich jetzt erst über die emotionale Gewalt sprechen.

Verhaltensweisen, die sich alle auf die emotionalen Zustände einer Person beziehen, fallen unter dem Begriff emotionale Gewalt. Dies könnte sich zum Beispiel durch ein kontrollierendes, dominantes und einschüchterndes Verhalten zeigen oder auch durch ständige Schuldzuweisungen, Demütigungen, Liebesentzug oder Spielen mit den Gefühlen und Ängsten der betroffenen Person.

Ein sehr typisches Beispiel ist Heike* passiert. Egal was sie machte, sie bekam immer Schuld: sie hat die Kinder nicht richtig erzogen, sie kann nicht kochen, er schämt sich, dass sie dick ist usw. Wenn sie etwas entgegnete, sagte er, dass er sie verlässt und sie somit die Kinder nie wieder sehen wird, weil sie ja unfähig ist. All dies erzeugte extreme Angst bei Heike. Sie konnte nicht mehr richtig schlafen und hatte immer mehr vor allem Angst.

 

Psychische bzw. seelische Gewalt

Diese Form der häuslichen Gewalt ist noch etwas subtiler als die emotionale Gewalt, denn sie geht noch mehr auf die psychische Ebene. Dies bedeutet, dass die Verhaltensweisen darauf abzielen, dass die betroffene Person kein Selbstwertgefühl mehr hat. Zusätzlich werden die Selbstachtung und das Selbstvertrauen stark heruntergesetzt. Dies bedeutet, dass die bei der emotionalen Gewalt begonnen Schikanen ausgeweitet und verstärkt werden. Heike* wird somit ständig herabgesetzt, bedroht mit der Möglichkeit, dass weitere Formen der häuslichen Gewalt dazu kommen, so dass sie keinerlei Möglichkeit mehr hat, um zur Ruhe zu kommen.

Weitere Beispiele, die einer betroffenen Person passieren kann: Verleumdung, Missachtung, Schweigen, Abwertung, Eifersucht, Herunterspielen ausgeübter körperlicher Gewalt, Schreien, Kontrolle von sozialen Kontakten zu Freunden, Familie und Arbeitskollegen, soziale Isolation oder das Zerstören wertvoller persönlicher Dinge. Aber auch Vernachlässigung (besonders bei Kindern), Mobbing, Gaslighting, Manipulation und besonders Schuldumkehr sind entsprechende Möglichkeiten.

Diese Form der Gewalt ist auf dem ersten Blick nicht zu sehen und verläuft auch manchmal so schleichend und subtil, dass du es selbst erst sehr spät erkennst.

 

Ökonomische Gewalt

Die ökonomische Gewalt, auch finanzielle oder wirtschaftliche Gewalt genannt, zeigt sich besonders dann, wenn die betroffene Person über eine Trennung nachdenkt. Oftmals ist es in einer Partnerschaft so, dass sich eine Person um die Finanzen kümmert und die andere sich zum Beispiel um die Kinder und den Haushalt.

So kann es kommen, dass folgende Situationen entstehen:

  • Die betroffene Person muss alle Einkäufe belegen, ansonsten erhält sie kein Geld.
  • Es werden extreme Einschränkungen bei Nahrungsmitteln, Kleidung oder anderen lebensnotwendigen Dingen vorgeschrieben, während der Partner für sich selbst viel Geld ausgibt.
  • Der Täter setzt Geld als Druckmittel ein, um das Opfer zu erpressen oder zu manipulieren, damit es weiterhin in der finanziellen Abhängigkeit bleiben muss.
  • Die betroffene Person wird mit Eifersucht oder anderen Manipulationen so unter Druck gesetzt, dass sie ihren Job kündigt und so wieder ganz in die Abhängigkeit rutscht.
  • Aufgrund des Geldmangels kann das Opfer keine sozialen Aktivitäten oder Vereine besuchen und gerät so in die Isolation.
  • Der Partner kann im Namen des Opfers Schulden machen oder sie „zwingen“ Kredite aufzunehmen. Natürlich verspricht er, dass er alles zurückzahlt, hält dies Versprechen aber nicht ein.

Hier noch ein reales Beispiel: Maria* hat ihr Gehalt ihres Halbtagsjobs auf ihr gemeinsames Konto überweisen lassen. Von diesem Konto wurden alle Kosten für den Haushalt und die Kinderbetreuung gezahlt. Auch die Kosten des Familienurlaubs wurden von diesem Konto bezahlt. Ihr Partner hat dafür alle Zins- und Tilgungskosten für das Haus übernommen. Natürlich hat Maria alle Darlehen gemeinsam mit ihrem Mann unterschrieben. Da er aber alle Darlehensverbindlichkeiten bezahlt hat, war nur sein Name im Grundbuch eingetragen. All dies hat sie erst nach der Trennung herausgefunden und verstanden. So stand sie nach der Trennung mit einem riesigen Berg an Schulden ohne jeglichen Gegenwert da.

 

Stark nach Trennung häusliche Gewalt Frau verzweifelt auf Sofa

Sexualisierte Gewalt

Diese Gewalt ist eine sexuell motivierte Gewalt, die gegen den Willen der Betroffenen erfolgt. Sie umfasst alles von der sexualisierten Bemerkung oder Nötigung über (versuchte) Vergewaltigung bis hin zur Zwangsprostitution.

Seit 1997 ist auch die Vergewaltigung in der Ehe in Deutschland strafbar. Allerdings ist sie nicht einfach zu beweisen. Deshalb hat Anke* ihren damaligen Ehemann auch nicht angezeigt, obwohl er immer wieder gegen ihren Willen sexuelle Handlungen vorgenommen hat. Er hat sie immer wieder unter Druck gesetzt, dass es ihre Pflicht wäre und es ihr ja sowieso keiner glauben wird. Er hat sie immer wieder erpresst, weil sie ihm einmal nach einer Vergewaltigung eine Ohrfeige verpasst hat.

Die sexualisierte Gewalt ist häufig in stark toxischen Beziehungen vorhanden.

 

Soziale Gewalt

Dieser Begriff ist noch nicht so geläufig. Dabei werden in diesem Fällen Opfer von der jeweiligen Umwelt abgegrenzt. Dies geschieht häufig, in dem der Kontakt zu Verwandten, Freunden und Bekannten sowie Freizeitaktivitäten unterbunden oder verboten werden.

Oftmals wird manipulativ vorher dem Opfer suggeriert, dass diese Freunde oder Familien den betroffenen Personen nicht wohl gesonnen sind und ihnen sogar Schaden zufügen wollen.

Dorle* wurde von ihrem ehemaligen Partner immer wieder erzählt, dass die Eltern schwierig sind, komische Ansichten haben und dass ihr Bruder immer mehr geliebt worden ist als sie selbst. Deshalb haben sich die Tochter und die restliche Familie immer mehr entzweit, so dass nach einigen Monaten Dorle komplett von ihrer Familie isoliert worden ist.

In der Regel ist die soziale Gewalt nicht die einzige häusliche Gewalt in der Beziehung, sondern nur ein Punkt, um das Opfer immer weiter unter der eigenen Macht zu bekommen und zu halten.

 

Stalking

Stalking, also die Belästigung und Nachstellung, ist eine besondere Form der häuslichen Gewalt. Oftmals erfolgt diese auch erst nach der Beendigung der Beziehung, um das Opfer wieder gefügig zu machen und sie weiterhin zu kontrollieren.

Zu Stalking gehören häufige und unerwünschte Anrufe, Briefe, Emails oder Nachrichten über soziale Medien, Bestellungen auf den Namen der Betroffenen, Erstellen von Fake-Accounts bei sozialen Medien, ständiges Beobachten und Verfolgen, anhaltende Beschimpfung und Bedrohung, Hinterlassen unerwünschter Nachrichten oder die Kontaktaufnahme über Dritte.

Nadine* war so froh, dass sie sich aus ihrer hochtoxischen Beziehung befreit hat. Aber immer wieder lauerte ihr Expartner ihr vor ihrer Wohnung oder beim Arbeitgeber auf. Angeblich wollte er nur reden, da er jetzt erst verstanden hat, wie sehr er sie liebt. Nadine hatte aber Angst vor ihm und hat deshalb ein Kontaktverbot durchgesetzt. Danach haben von ihm manipulierte Freunde und ehemalige Bekannte immer wieder für ihren Expartner ein „gutes Wort“ eingelegt. Dies steigerte sich immer mehr, bis sie entnervt die Stadt verlassen hat und keinem erzählt hat, wohin sie umgezogen ist.

 

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Hier findest du schnelle Hilfe

Gewalt gegen Frauen

Telefonnummer: 0800 116 016

Die Beratung erfolgt an 7 Tagen in der Woche rund um die Uhr und in 18 verschiedenen Fremdsprachen.

 

TelefonSeelsorge

Telefonnummern: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 oder 116 123

Mailseelsorge/Chatseelsorge: https://online.telefonseelsorge.de/ 

 

Sexueller Missbrauch

Telefonnummer: 0800 22 55 530

Hilfe-Portal: https://www.hilfe-portal-missbrauch.de/startseite

Auf dieser Startseite im Internet findest du auch Hilfe in deiner Nähe.

Fazit

Eine Form der häuslichen Gewalt kommt selten allein. Oftmals treten immer mehrere Gewalttaten in einer solchen Beziehung auf. Meist fängt es mit einer Art an und es kommt immer mehr dazu. Es geht in der Regel immer um Macht und Kontrolle. Trotz Beteuerung, dass die körperliche Gewalt nur einmalig passiert ist, wird dies immer wieder erfolgen, denn hier handelt es sich um ein anhaltendes Muster von Gewalt. Die Opfer sind oftmals so verängstigt und haben so wenig Selbstvertrauen, dass sie immer wieder darauf hoffen, dass es nie wieder passiert. Durch ihre Isolation und ihrer Scham, dass ihnen so etwas passiert, trauen sich viele Opfer nicht, ihre Täter anzuzeigen.

Dazu kommt fast immer auch eine emotionale Abhängigkeit. Viel mehr über dieses Thema findest du in diesem Blogartikel bzw. in diesem Podcast.  

 

Willst du raus aus dieser Gewaltspirale und brauchst du Unterstützung? Oder hast du bereits den Absprung geschafft, leidest aber immer noch unter mangelndem Selbstwertgefühl oder fehlendem Vertrauen? Dann buche dir hier ein kostenloses Vorgespräch, um zu klären, welche Ziele du hast und wie ich dir bei der Umsetzung helfen kann.

 

 

 

 

*alle Namen sind zum Schutz geändert worden

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Wer schreibt hier?

Portraitfoto Claudia Kielmann, Coach "Stark nach Trennung"

Ich bin Claudia, und als Trennungscoach unterstütze ich Frauen in Trennungssituationen. In meinen Blogbeiträgen findest du mein Wissen und meine Erfahrungen rund um die Themen "Trennung" und "Persönlichkeits-entwicklung".


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