Achtsamkeit im Herbst: 3 Übungen zum Loslassen

von | Juli 13, 2026 | Blog, Resilienz | 0 Kommentare

Last Updated on 13. Juli 2026 by Claudia

Was bedeutet die Jahreszeit Herbst für dich? Der Herbst hat eine Ehrlichkeit, die keine andere Jahreszeit für mich hat.

Er versteckt nichts und er macht nichts schöner als es ist. Er lässt einfach fallen, was nicht mehr gebraucht wird, und zeigt dabei das Schönste, was er hat.

Ich erinnere mich an einen Herbstnachmittag nach meiner Trennung. Die Bäume standen in diesem unwirklichen Orange und Rot, das man im Sommer nie sieht. Und ich dachte: Wie können die so leuchten, obwohl sie gerade dabei sind, alles loszulassen, alles wegzuwerfen?

Diese Frage hat mich länger beschäftigt, als ich damals erwartet hatte.

Steht dein Leben gerade an einem ähnlichen Punkt? Etwas ist bei dir zu Ende gegangen oder im Gehen, und du fragst dich, wie man dabei noch „leuchten“ kann.

Genau das ist das Thema dieses Artikels. Dieser Herbst-Beitrag ist der letzte in meiner Jahreszeiten-Reihe: Im Winter haben wir die Stille genutzt, um innezuhalten. Im Frühling sind wir neu aufgebrochen. Im Sommer haben wir gelernt, weniger zu tun und mehr zu spüren. Und jetzt, im Herbst, geht es ums Loslassen und ums Ankommen, bei dir selbst.

Interessiert dich das Thema Resilienz im Allgemeinen, dann schau dir gerne folgenden Blogartikel als Einstieg an: Was ist Resilienz?

 

Der Baum verliert im Herbst seine Blätter nicht, weil er schwach ist. Er tut es, weil er weiß, was er nicht mehr für den Winter braucht.

Das ist keine Poesie, das passiert wirklich so. Der Baum zieht seine Energie aktiv zurück. Er trennt sich von dem, was ihn im Winter zu viel kosten würde, und investiert stattdessen in Wurzeln, Stamm und Äste.

Achtsamkeit im Herbst bedeutet, genau das zu beobachten, nicht um sentimental zu werden, sondern um zu lernen.

Was wäre, wenn Loslassen nicht Verlust bedeutet, sondern Entscheidung? Was wäre, wenn das, was du gerade loslässt oder loslassen musst, Platz schafft für etwas, das mittelfristig viel besser für dich ist?

Wenn wir uns die Zeit nehmen, lässt der Herbst uns das sehen, was wichtig ist.

Wir sollten nicht kurz und abgelenkt schauen, sondern sehr bewusst hingucken, denn im Herbst ist Vergänglichkeit und Schönheit kein Gegensatz, sondern ergänzt sich.

 

Die Herbst-Inventur: Was nimmst du mit, was darf gehen?

Das ist eine meiner liebsten Übungen im Herbst. Denn ich bin hier ehrlicher zu mir selbst als alle guten Vorsätze, die ich am Jahresanfang mache.

Setz dich hin, nimm dir Papier und Stift, und schreib zwei Listen.

 

Liste 1: Was nehme ich mit?

  • Was hat dir dieses Jahr gutgetan?
  • Was hat sich richtig angefühlt?
  • Welche Momente, Menschen, Entscheidungen, Gewohnheiten wollen behalten werden? 

Das müssen keine großen Dinge sein. Der frühe Spaziergang mit dem Hund. Ein Gespräch mit jemandem, das dir gezeigt hat, wer du wirklich bist. Vielleicht eine Entscheidung, bei der du lange hin und her überlegt hast und die sich am Ende als richtig herausgestellt hat.

 

Liste 2: Was darf gehen?

  • Was hat dich Kraft gekostet, ohne dir etwas zurückzugeben?
  • Welche Gedanken, Erwartungen, Beziehungen, Gewohnheiten passen nicht mehr zu dir?
  • Was schleppst du schon viel zu lange mit dir mit, obwohl du eigentlich weißt, dass die Zeit abgelaufen ist? 

Schreib es auf, ohne viel nachzudenken oder zu zerdenken. Niemand außer dir liest das.

Danach schau dir die zweite Liste an. Kannst du einen einzigen Punkt davon loslassen, bevor der Herbst vorbei ist? Nicht alle, sondern nur einen einzigen.

Manchmal beginnt Loslassen mit einem einzigen Satz, der aufgeschrieben ist.

 

Mit der Kamera hinschauen: Herbst als Achtsamkeitsübung

Ich fotografiere, seit ich 10 Jahre alt bin, mit großer Leidenschaft, vor allem in der goldenen Abendstunde im Sommer. Aber ehrlich gesagt: Der Herbst ist die schönste Jahreszeit zum Fotografieren. Weil er so viel zeigt, das im Begriff ist zu verschwinden.

Und genau das macht die Kamera im Herbst zu einem Achtsamkeitswerkzeug.

Wenn du fotografierst, schaust du anders. Du suchst den Moment, der es wert ist, festgehalten zu werden. Du verlangsamst dich. Du gehst näher ran. Du bemerkst Dinge, die du im Vorbeigehen nie gesehen hättest.

Das Blatt, das noch hängt, obwohl alle anderen schon gefallen sind. Der Lichtstrahl, der durch fast kahle Äste bricht. Die Farbe, die in keinem Sommer vorkommt. Ein Käfer, der über ein herabgefallenes Blatt läuft.

 

Übung: Der Herbst-Fotogang

Nimm dein Handy oder deine Kamera und geh raus. Plane 30 Minuten ein, nur für einen Gang zum Fotografieren. Du brauchst kein Ziel erreichen, keine Routine daraus machen und höre dabei keine Musik oder einen Podcast. 

Die einzige Aufgabe: Fotografiere mindestens 5 Dinge, die du normalerweise nicht bewusst wahrnimmst.

Nicht die offensichtlichen Highlights, nicht das perfekte Farbenspiel für Instagram und Co, sondern das Kleine, das Leise. Das, was du nur siehst, wenn du wirklich hinschaust.

Vielleicht ist es: 

  • das Muster auf einem gefallenen Blatt
  • eine Pfütze, in der sich der Himmel spiegelt
  • ein einzelner grüner Fleck zwischen allem Braunen
  • der Dampf deines Atems in der Kälte früh am Morgen
  • ein Spinnennetz im Morgentau, das gerade noch ganz ist

Und wenn du zurück nach Hause kommst, schaue dir die Fotos an. Nicht um sie zu bearbeiten oder zu posten, sondern um dich zu fragen: Was habe ich heute gesehen, dass ich sonst übersehen hätte? Diese Frage ist Achtsamkeit pur. 

 

Die Kraft der Dämmerung: Achtsam in der kürzeren Tageszeit

Im Herbst wird es früher dunkel. Für viele Menschen ist das der unangenehmste Teil dieser Jahreszeit. Ich verstehe das. Andererseits hat die Dämmerung im Herbst auch eine besondere Qualität.

Das Licht ist anders als im Sommer, weicher, gedämpfter, irgendwie schöner. Und der Moment, in dem der Tag in den Abend wechselt, wird sichtbarer, weil er früher kommt und weil er langsamer zu sein scheint.

Ich lade dich ein, diesen Übergang einmal bewusst zu erleben.

 

Übung: Der Spaziergang in der Dämmerung

Such dir einen Tag in der Woche aus, an dem du kurz vor Einbruch der Dunkelheit rausgehst, nicht bei Tageslicht, aber auch nicht bei voller Dunkelheit, sondern genau dazwischen.

20 Minuten reichen. Mach dies gerne ohne eine Ablenkung, sondern konzentriere dich darauf, wie sich das Licht verändert. Wie die Farben matter werden. Wie es stiller wird. Wie du dich dabei fühlst. Bitte interpretiere nicht, sondern nimm es nur wahr.

Viele Frauen, die ich begleite, beschreiben diese Übung als erstaunlich beruhigend. Der Übergang zwischen Tag und Nacht, zwischen Licht und Dunkel, erinnert uns daran, dass Veränderung nicht plötzlich passiert. Sie schleicht sich langsam an und wenn wir dabei sind, ist sie gar nicht so beängstigend.

 

Zu dir selbst zurückkehren: Wenn der Lärm im Sommer leiser wird

Der Sommer ist oftmals laut. Er kommt mit vollen Terminkalendern, Erwartungen, dem Druck, die schöne Jahreszeit zu nutzen. Der Herbst räumt mit allen diesen Themen auf.

Wenn die Tage kürzer werden, die Abende frühzeitig hereinbrechen und die Energie nach innen wandert, passiert etwas: Wir werden ruhiger. Und in dieser Ruhe kommen Fragen, die im Sommer kein Platz hatten:

  • Wer bin ich gerade?
  • Was brauche ich wirklich?
  • Wohin will ich?

Das sind keine leichten Fragen. Besonders dann nicht, wenn du gerade mitten in einer Trennung bist oder dich gerade neu sortierst. Aber der Herbst gibt dir etwas, das diese Fragen erträglicher macht: Er nimmt sich selbst die Zeit. Er fordert keine Antworten bis gestern. Er gibt dir einfach die Zeit, dass du nachdenken kannst.

 

5 Reflexionsfragen für dein Herbst-Journal

  1. Was habe ich in den letzten Monaten über mich gelernt, das mich überrascht hat?
  2. Welches Gefühl möchte ich nicht mit in den Winter nehmen?
  3. Wann habe ich zuletzt etwas getan, das sich wie Heimkommen angefühlt hat?
  4. Was brauche ich von mir selbst in dieser Jahreszeit?
  5. Worauf bin ich stolz, auch wenn es niemand außer mir weiß?

Du brauchst kein vollständiges Journal, kein teures Notizbuch, keine Stunde Zeit. Fünf Minuten mit einer einzigen dieser Fragen können mehr bewegen, als du denkst.

 

Für dich, wenn du gerade in einem Übergang bist

Eine Trennung oder ein anderer Einschnitt in deinem Leben ist wie ein persönlicher Herbst.

Etwas, das war, fällt weg. Die Blätter, die du für selbstverständlich gehalten hast, sind auf einmal abgefallen. Und du stehst da. Fühlst dich manchmal einsam, ungeschützt. Dir ist kalt. In diesen Zeiten fragst du dich: „Was mache ich jetzt? Wie geht es weiter?“.

Was ich dir sagen kann: Wie der Baum gehst du davon nicht unter. Du ziehst dich zurück. Du ruhst. Du sammelst Kraft. Und wenn deine Zeit kommt, treibst du wieder aus, genau wie er im Frühling. Nicht trotz des Loslassens, sondern wegen des Loslassens.

Du darfst gerade genau das tun: dich zurückziehen. Nimm dir den Raum. Sei vielleicht leiser. Spüre nach, was du brauchst und was nicht mehr passt. Das ist kein Rückschritt. Denn das ist die klügste Form von Achtsamkeit, die ich kenne.

 

Eine letzte Frage an dich

Was wäre, wenn du diesen Herbst nicht als den Anfang von etwas Grauem siehst, sondern als den (Neu-)Anfang von dir?

Such dir eine der Übungen aus diesem Artikel aus – nur eine und probiere sie diese Woche aus: den Fotogang, die Herbst-Inventur, den Spaziergang in der Dämmerung, die eine Frage aus dem Journal.

Nicht alles auf einmal, sondern mach das eine, das sich jetzt für dich richtig anfühlt.

 

Du möchtest nicht alleine durch deinen persönlichen „Herbst“ gehen? Dann buche dir gerne ein kostenloses Kennenlerngespräch mit mir und wir schauen gemeinsam, wie ich dich begleiten kann.

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Wer schreibt hier?

Portraitfoto Claudia Kielmann, Coach "Stark nach Trennung"

Ich bin Claudia, und als Trennungscoach unterstütze ich Frauen in Trennungssituationen. In meinen Blogbeiträgen findest du mein Wissen und meine Erfahrungen rund um die Themen "Trennung" und "Persönlichkeits-entwicklung".


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