Last Updated on 14. Oktober 2021 by Claudia

Beziehungen, die uns nicht guttun, werden allgemein als toxische Beziehungen bezeichnet. Sie rauben uns Kraft und Energie und machen uns regelrecht krank. Die Krankheiten reichen von psychischen Problemen bis hin zu starken körperlichen Beschwerden. Oftmals können wir auch nicht genau festmachen, warum der Andere uns ein ungutes Gefühl vermittelt.

Eine genaue wissenschaftliche Definition, was genau eine toxische Beziehung ist, gibt es offiziell nicht. Jede toxische Beziehung ist etwas anders gelagert und ist nicht auf eine Partnerschaft reduziert. Es gibt auch Freundschaften oder Beziehungen innerhalb der Familie oder im Arbeitsalltag, die toxisch sind.

Hier ein paar statistische Zahlen zu diesem Thema im Bereich Partnerschaft:

Statistische Zahlen: 75% der Betroffenen sind Frauen! Jede 3. Frau ist in ihrem Leben mindestens einmal in einer toxischen Beziehung. 76% der Frauen erfahren in dieser Beziehung psysische Gewalt.

Leider merken wir häufig nicht, dass wir in einer toxischen Beziehung stecken. Da sind Meinungen von Freunden und Familie wichtig. Höre hin, wenn dir diese Personen so etwas signalisieren.

An diesen Verhaltensweisen deines Partners kannst du eine toxische Beziehung erkennen

Es gibt viele Hinweise, die auf eine toxische Beziehung hinweisen. In der Regel gibt es in toxischen Beziehungen einen dominanten Partner und einen Partner, der sehr viel gibt.
Hier eine Auswahl der häufigsten Verhaltensweisen vom „nehmenden“ Partner:

  • manipuliert seine Umgebung
  • geht rücksichtslos vor
  • übt emotionalem Druck aus
  • impft dem Anderen Schuldgefühlen ein
  • überschreitet Grenzen
  • ist nicht einsichtig
  • nicht belehrsam
  • verbreitet Unwahrheiten
  • ist sehr eifersüchtig
  • gönnt dem Anderen nichts, z.B. Glück oder Erfolg
  • kontrolliert den Anderen
  • hat extreme Stimmungsschwankungen
  • übt körperliche Gewalt aus
  • nimmt keine Kritik an
  • kann keine Empathie für Andere aufbringen

So verhält sich meist der „gebende“ Partner in einer toxischen Beziehung

Hier ein paar mögliche Verhaltensweisen des anderen Partners. Oftmals ist hier bereits eine emotionale Abhängigkeit vom dominanten Partner eingetreten.

  • vertritt nicht mehr die eigene Meinung
  • geht unverhältnismäßige Kompromisse ein
  • traut sich nichts mehr zu
  • trifft keine eigenen Entscheidungen mehr oder nur nach Absprache mit dem Partner, auch bei geringfügigen Entscheidungen
  • ist von Freunden und Familie isoliert
  • hat sich in ihrem Wesen und Auftreten verändert, z.B. werden weniger Emotionen gezeigt, wie Lachen oder Freude
  • ist nicht motiviert, die eigenen Ziele und Pläne durchzuführen
  • ist häufig erschöpft und krank
  • teilt nicht mehr ihre Gedanken und Gefühle anderen Personen mit

Paar sitzt von einander abgewandt auf einem Sofa

Wie löse ich mich aus einer toxischen Beziehung?

  • Der wichtigste Punkt ist, dass du die Entscheidung triffst, dich aus dieser Beziehung zu lösen.
    Stell dir die Frage „Willst du in den nächsten Jahren noch so weiter leben?“ und beantworte sie dir gegenüber ehrlich.
    Schreibe dir die Gründe auf, warum du diese Beziehung nicht mehr führen möchtest. Diese Liste kannst du jedes Mal, wenn du in deiner Entscheidung zweifelst, wieder anschauen.
    Außerdem kannst du die Liste immer wieder ergänzen.
  • Trenne dich von deinem toxischen Partner
  • Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist die Dokumentation von allen Ereignissen, die im weitesten mit der Beziehung zu tun haben.
    Dies brauchst du vielleicht einmal vor Gericht. Aber auch bei eventuellen Rückfallgedanken ist diese Dokumentation für dich wichtig.
  • Gehe auf Freunde, Bekannte oder Verwandte zu, die 100% zu dir stehen. Sie werden dich bei deinem Schritt unterstützen.
    Hole dir diese Hilfe, wenn du sie benötigst und schäm dich nicht dafür. Dies gilt auch besonders, wenn du eine psychologische Therapie möchtest oder benötigst.
  • Gibt es einen gemeinsamen Haushalt und / oder Kinder aus dieser Beziehung? Dann hole dir unbedingt eine Expertenmeinung ein.
    In diesen Fällen muss sehr viel mehr bedacht werden und ist auch oft sehr unterschiedlich.
  • Wenn irgendwie möglich, brich den Kontakt zu der Person ab. Dies hilft dir bei der Verarbeitung und Abnabelung.
    Dazu gehört auch diese Person in den Sozialen Netzwerken zu blockieren, z.B. WhatsApp, Instagram, Facebook.
  • Vereinbare einen ausführlichen Check-up beim Arzt oder Heilpraktiker. Oftmals fehlen dir aufgrund des seelischen Stresses wichtige Nährstoffe und Vitamine.
  • Entwickle dich in deiner Persönlichkeit weiter – besonders zum Thema Selbstliebe und Selbstwert. Auch Resilienz ist ein wichtiges Thema bei der Verarbeitung für dich.
  • Schreibe Tagebuch oder Journal, damit du die Situation, die Veränderung und deine persönliche Weiterentwicklung besser verarbeiten kannst.
  • Sorge gut für dich. Mach, was dir Spaß macht und deine Psyche unterstützt.
    Erstelle eine Liste mit Dingen, die du gerne mal machen möchtest und setz deine Pläne in die Tat um. Du wolltest schon immer mal eine bestimmte Reise machen oder im Sport ein besonderes Ziel erreichen? Dann ist jetzt ein hervorragender Zeitpunkt dafür.
  • Treibe Sport oder gehe viel draußen spazieren. Damit unterstützt du deine körperliche und seelische Genesung.
  • Suche dir einen neuen Freundeskreis außerhalb der früheren Umwelt. So kannst du einen Rückfall in die toxische Beziehung eher verhindern.

Wo bekommst du bei toxischen Beziehungen Hilfe?

Hier ein paar Webseiten / Telefonnummern, die dir weiterhelfen können:

  • Telefonseelsorge 0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222
  • Nummer gegen Kummer 116 117
  • Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen 0800 / 0116 016
  • Hilfetelefon Sexueller Missbrauch 0800 / 22 555 30
  • Pro Familia bietet Hilfestellungen vor Ort an
  • Das Familienministerium hat die Webseite „Stärker als Gewalt“ initiiert.

Selbstverständlich kannst du mich auch jederzeit per Mail anschreiben.