Last Updated on 3. Oktober 2022 by Claudia

Wenn während einer Partnerschaft der Gedanke an eine Trennung hochkommt, erscheint häufig auch eine Emotion, die du in diesem Moment gar nicht erwartet hättest: du schämst dich, weil du dich trennen willst oder getrennt hast. Was Scham eigentlich ist, und welche Gründe bei einer Trennung dahinterstehen können, erfährst du hier.

 

Gemäß dem Lexikon der Psychologie ist Scham „eine negative Emotion, die entsteht, wenn man das Gefühl hat, bestimmten Werten, Normen, Regeln oder Ansprüchen nicht gerecht zu werden. … Scham gehört zu den selbstbezogenen Emotionen …“

Diese Definition finde ich sehr passend, denn du empfindest Scham als negativ, obwohl auch dieses Gefühl natürlich seinen Sinn hat. Bevor du eine weitreichende Entscheidung triffst, sagt dir diese Emotion nur, dass du dir bezüglich deiner Entscheidung sicher sein sollst.

Interessant ist auch, dass wissenschaftlich festgestellt wurde, dass Frauen Scham oftmals stärker empfinden als Männer. Auch spielen das Alter und der kulturelle Hintergrund eine große Rolle, wie häufig das Schamgefühl auftritt.

 

Gründe für Scham bei einer Trennung

  • „Ich habe versagt!“ hat einmal eine Frau zu mir gesagt, nachdem sie und ihr Partner die Trennung beschlossen haben. „Wie soll ich dies nur meinen Eltern sagen!“ Sie hat sich sehr geschämt, ihren Eltern von der bevorstehenden Trennung zu erzählen.
    Eine Trennung ist nicht nur ein Scheitern der Ehe, sondern auch des Lebenskonzeptes. Der Traum von einer glücklichen Familie ist damit ausgeträumt.
    Viele schämen sich, dass sie es als Paar nicht geschafft haben, ihre Probleme zu lösen. Besonders schwierig ist es, wenn das Paar nach außen ein sogenanntes Vorzeigepaar war oder in der Öffentlichkeit steht.
  • Hinter dem Gefühl der Scham versteckt sich auch die große Enttäuschung über sich selbst, die Partnerschaft nicht aufrecht erhalten zu können. Gedanken wie „ich habe nicht genügend gekämpft“ oder „es ist doch alles gar nicht so schlimm“ kommen besonders bei Frauen in toxischen Beziehungen hoch.Vielleicht ist der oder die Betroffene der Erste, die sich in der Familie oder im Freundeskreis trennt. Dann ist die Scham über die Trennung meistens sehr hoch.  Hier besteht unter Umstanden auch die Gefahr in der bisherigen sozialen Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden. Mir wurde damals bei der Trennung von „Freunden“ gesagt, dass sie mich leider zukünftig nicht mehr einladen können, da sie dann ja eine ungerade Zahl an Eingeladenen hätten.
  • Scham kann sich auch einstellen, wenn bei der sich trennenden Person das Gefühl hochkommt „ich bin nicht richtig“ oder „ich bin schuld“. Auch diese Art des Schamgefühls entsteht häufig in toxischen Beziehungen. Hier gibt der/die Partner/in dem sich Schämenden genau das Gefühl, nämlich, dass diese/r schuld an der Trennung sei und er derjenige ist, der krank und damit nicht „richtig“ sei.

    Zusätzlich kann dieses Gefühl noch verstärkt werden, weil andere Personen im Umfeld eine Gefahr für ihre eigenen Partnerschaft befürchten.
    Beispielsweise wurde mir nach der Trennung von einer Bekannten ohne Grund vorgeworfen, dass ich ihr als Alleinstehende dann ggf. ihren eigenen Partner ausspannen würde.

  • Eine Trennung bei einer toxischen Beziehung hat nochmals eine stärkere Dynamik, so dass das Gefühl der Scham hier besonders groß ist. Die Betroffenen schämen sich sehr, dass sie die sogenannten „Red Flags“ nicht rechtzeitig erkannt haben. Ein weiterer Grund ist, dass sie viel zu lange in dieser ungesunden Beziehung ausgeharrt haben. Auch die Erklärung, dass in diesen Fällen eine emotionale Abhängigkeit bestanden hat, verringert nicht die Scham bei einer Trennung.

Ich möchte hier ausdrücklich betonen, dass, egal in welcher Situation du dich befindest, das Gefühl der Scham dich nicht von der als notwendig und richtig erachteten Trennung abhalten darf.

Lass dich nicht von dummen Sprüchen oder von nicht mehr zeitgemäßen Traditionen daran hindern, die Trennung zu vollziehen. Keiner spricht eine Trennung nur so zum Spaß aus. Wenn eine Trennung der Partnerschaft im Raum steht, gibt es immer berechtigte Gründe dafür.

 

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Das beste Gegenmittel bei Scham sind Selbstmitgefühl und verständnisvolle Gespräche